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Der Sommer kommt…

 

(Foto von styvo Putra Sid auf Unsplash)

«Recreation» – ein schönes Wort aus dem Englischen und Französischen. Es mag für vieles stehen, was uns über das Semesterende hinaus in den kommenden Sommermonaten erwartet.

«Recreation» – das bedeutet Pause, Erholung, Erfrischung.
Für die meisten von euch ist das allerdings noch Zukunftsmusik. Vorerst stehen intensives Lernen, das Schreiben von Arbeiten, Abgabetermine und Prüfungen auf dem Programm. Im Moment ist also vielmehr «creare» – schaffen – angesagt als «recreare».

Doch ist Lernen überhaupt kreativ?
Auf weiten Strecken besteht Lernen im Studium ja im (oft nicht gerade spannenden) Auswendiglernen von Fakten und Konzepten, die an Prüfungen wiedergegeben werden müssen. Die Menge von Stoff kann überwältigen und ein dickes Sitzleder erfordern. Hinzu kommt der Druck, der vor Prüfungen und Abgaben spürbar zunimmt. Für viele Studierende ist das eine Herausforderung.

Gerade in solchen Phasen scheint mir hilfreich, wenn Lernende sich bewusst machen, oder sich bewusst werden, welche Werte ihr Lernen leiten: Was motiviert mich zu lernen? Warum studiere ich überhaupt?

Im vergangenen Semester machte sich eine Handvoll Studierender in einem Kurs auf Schatzsuche nach ihren Werten für das Lernen. Hier einige Beispiele, die dabei zum Vorschein kamen:  «Ich möchte mein Potential entfalten.» / «Mit der Welt verbunden sein durch Verstehen» / «Menschen unterstützen, indem ich Orientierung gebe» / «Wahrnehmen der Bedeutung meines Lebens für die Welt» / «Freude» / «Neugier» / «Mich selbst verwirklichen und dabei andere unterstützen» / «Sinn» / «neu denken» / «Neugier für die erfahrene Realität» / «Vielfalt erleben» / «Gegenseitige Verantwortung» / «das volle Leben». Was würdest du, liebe:r Leser:in, dieser Liste hinzufügen?

Wenn wir solchen Werten nachspüren, kommen wir in Kontakt mit unseren grundlegenden Bedürfnissen, Intuitionen, Wünschen und Strebungen; mit dem, was uns für unser Lernen wirklich wichtig ist. Das kann uns für eine tiefere, spirituelle Sicht des Lernens öffnen. Indem wir von Werten angerufen, ergriffen sind, erfahren wir uns als Wesen, die in ihrem Tun – gerade auch dem Lernen – wertvoll sind, Wert schaffen und ihrem Leben Gestalt geben. So können wir erahnen, dass wir mit dem Grossen Attraktor des Universums verbunden sind. Er wirbt darum, dass Wahrheit, Güte und Schönheit im Werdeprozess der Welt Gestalt und Ausdruck finden.

Wir erfahren uns als Teil dieses Werdeprozesses: Durch das Lernen, geleitet von unseren Werten, integrieren wir das erworbene Wissen stets neu in unser Leben: Wir entwickeln neue Perspektiven, gewinnen Einsichten und wachsen als Menschen. Damit werden wir selber immer ein wenig andere, ein Stück neu.

So können wir bereits das Lernen als eine Form von «re-creation» verstehen und erleben – als eine fortlaufende «Neu-Schöpfung» unserer selbst.

Und natürlich ist dann, wenn die Prüfungen geschafft und die Arbeiten abgegeben sind, erst recht Zeit für «recreation» im klassischen Sinn von Pause und Erholung.

Für beide Dimensionen von «recreation», für die schöpferische und für die erholsame, wünsche ich dir für die kommenden Monate Lust und Ausdauer, Offenheit und Gelingen!

Thomas Schüpbach, Hochschulseelsorger und Leiter des forum3

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